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abalov@yahoo.com
Begegnung mit
Mongoni
Ich heiße Amelie,
bin 39 Jahre alt und arbeite als Wissenschaftlerin in einem Zentrum für
Raketenforschung. Ich bin mit einem wundervollen Mann verheiratet und habe
zwei entzückende Kinder, die ich sehr liebe.
Ich führe also ein ganz normales, erfolgreiches und glückliches Leben.
Da war nur dieser eine besondere Tag, an dem mein Leben beinahe für
immer aus den gewohnten irdischen Bahnen geworfen wäre. Und davon möchte ich
erzählen.
Es war an einem Donnerstag. Es regnete, ich hatte wie immer keinen
Regenschirm dabei und war viel zu dünn angezogen. Platschnass und zu spät
kam ich zur Arbeit.
Mr. Dickens, mein Chef, meckerte mich blöd an. Der Kaffeeautomat war kaputt
und ich musste mich mit schalem Mineralwasser zufrieden geben.
Nun, ich ging in mein Büro und setzte mich seufzend an meinen mit
Papier überfluteten Tisch. Plötzlich stürmte Dr. Dickens aufgeregt herein.
Mit hochrotem Kopf schnappte er nach Luft und brauchte einige Zeit um wieder
zu sich zu kommen. Dann schrie er:
„Amelie, Kommen Sie schnell! Endlich, es ist so weit. Das Raumschiff wird
getestet.“
Ich sprang auf und wir rannten in die Aktionshalle. In der Decke war ein
riesiges Loch eingelassen, damit das kegelförmige Raumschiff dort
hinausfliegen kann. Es sah fantastisch aus. Angeschweißte Metallplatten, die
wie Silber glänzende Fischschuppen aussahen, dienten als Schutz für die
supermoderne Technik.
Eine elegante, schwarze Glaskuppel, mit einem schwarzen Ledersessel
hatte es auch. Sie stand offen und ich hatte große Lust mich da rein
zusetzen.
„Ich schau mich mal um, rief ich und schon kletterte ich
in die Glaskuppel. Mr. Dickens rief mir noch hinterher, dass das zu
gefährlich sei, da der Start ins All in wenigen Minuten starten würde, aber
ich hörte nicht auf ihn. Ich setzte mich in den bequemen Sessel und
begutachtete staunend die unzähligen Hebel, Schalter und blinkenden Knöpfe.
Als ich wieder hinauswollte, ließ sich die Glaskuppel nicht mehr öffnen. Im
selben Moment ertönte ein seltsames, saugendes Geräusch. Oje, die Glaskuppel
wurde luftdicht gemacht, damit kein Sauerstoff beim Flug entweichen konnte.
Ich bekam es mit der Angst zu tun und hämmerte wie wild und laut schreiend
gegen die Tür – doch vergebens! Ich wollte gerade panisch nach weiteren
Ausgängen suchen, als der Countdown mit einem ohrenbetäubenden Lärm
einsetzte. 5 – 4 – 3 - … Oh nein, ich zitterte wie Espenlaub. … 2 – 1 – los!
Ein Ruck schüttelte mich durch und schon düste ich mit dem Raumschiff durch
das Universum. Die Sterne flitzten an mir vorbei. Eigentlich sah es
unbeschreiblich schön aus. Ich hätte es bestimmt auch genießen könnte, wäre
da dummerweise nicht mein Leben auf dem Spiel gewesen! Ich fummelte an den
Schaltern herum, aber das Raumschiff wurde automatisch betrieben. Auf einem
Bildschirm las ich: „Voraussichtliche Rückkehr am 7. September 2349!“ Das
war ja erst in drei Monaten! Gequält stöhnte ich auf! Mir wurde bewusst,
dass ich der Situation hoffnungslos ausgeliefert war. Resigniert schlief ich
nach vielen bangen Stunden ein…
Als ich aufwachte, befand ich mich seltsamerweise nicht mehr im Raumschiff,
sondern im Freien. Ich lag auf dem Rücken und blinzelte in einen
smaragdgrünen Himmel. Unter mir war weiches Gras, aber es war blau. Blau!?
Ich blickte verwundert um mich und sah gelbe Bäume und rotschwarzgestreifte
Bienen. Die Blumen trugen statt Blüten glitzernde Kristalle. „Wo bin ich
bloß gelandet?“ – „Du bist auf dem Planeten Deram“, ertönte eine Stimme. Ich
wirbelte herum und sah eine komische Kreatur mit einer Scheinsschnauze und
tiefschwarzen Augen. Sie war ziemlich winzig, reichte mir gerade bis zur
Hüfte und hatte seltsame Flecken auf der Haut. „Oh“, rief ich. Wir glotzten
uns staunend an. Ich hielt den Kopf schief. Die Kreatur machte es mir nach.
Ich hob die linke Hand. Sie hob die linke Hand. „Wer bist du?“, fragte ich
neugierig. „Ich bin Mangoni“, sagte das seltsame Wesen, „komm, ich zeige dir
meine Welt!“ Es ging schon los, aber ich zögerte noch. Da mir aber keine
Wahl blieb, folgte ich ihm. Mongoni erzählte mir, dass auf Deram viele
verschiedene Gesellschaften leben würden, z. B die Gruppe der Harpyien.
„Ach, die kenn ich, glaub ich“, rief ich, „diese Harpyien, sind das nicht
Wesen, halb Mensch und halb Adler? Die leben doch im Gebirge.“ Mongoni
rümpfte die Nase: „Nein, diese wilden Zicken triffst du hier überall!“
„He, Schweineschnauze!“, rief im selben Augenblick über uns eine
verächtliche, aber trotzdem schöne Stimme. Eine Harpyie kreiste über uns mit
einer toten Ratte in den Krallen. Sie war unbeschreiblich schön und hatte
Arme, an denen prachtvolle braune Flügel hingen. An den Oberschenkeln trug
sie Federn, ebenso bestand ihr Haar nur aus Federn. Ihre Füße waren geformt
wie große Adlerkrallen. Bunte Bandagen und Lederbänder verhüllten ihren
wohlgeformten Körper. Sie sah recht kampflustig aus. „Na, Mongoni, dein
Versagervolk vergreift sich wieder mal an Fremdlingen! Sehr bedauerlich!“
Mongoni drohte mit der Faust: „Halt den Rand, Weib! Lass mein Volk aus
deinem dummen Spiel! Verschwinde lieber und fresse deine Ratten!“ Die
Harpyie flog laut kichernd in eleganten Kurven davon. Wir schlenderten an
einem klaren, grünlichen Fluss vorbei, in dem zarte Flussnixen schwammen.
Mongoni führte mich in das Dorf der Winzlinge, es befand sich in einem
Steinbruch. Die Häuser waren so groß wie meine Füße. Beinahe wäre ich auf
das Oberhaupt getreten. Er trug eine Krone mit leuchtenden Perlen und hatte
einen Stab in der Hand. Mit finsterem Blick brüllte er mich an. „He,
Fettklops, kannst du nicht aufpassen?“ Von wegen Fettklops, ich war
spindeldürr.
Alles hier war so neu und aufregend für mich. Auf einer Aue erblickte
ich Feen, sehr schöne Feen, die in bunten Seidenkleidern gehüllt waren. Sie
tanzten in der Luft, spielten Musik und versprühten feinen, goldenen
Feenstaub. „Die Feen sind unsere Freunde“, lachte Mongoni vergnügt. Sie
umflogen mich und spielten mit meinem lockigen, braunen Haar. Ich ließ mir
das gern gefallen, denn es löste so friedliche Gefühle in mir aus.
Als wir weitergingen, musste ich an meine Familie denken. „Ich will zurück
zur Erde. Ich hab’ auch eine Familie, weißt du?“, sagte ich traurig. Mongoni
tätschelte sanft meine Schulter. „Es wird alles gut! Du kommst schon
zurück“, beruhigte er mich. Plötzlich wurde es dunkel um mich.
Als ich wieder zu mir kam, lag ich zu Hause in meinem Bett. Als mein Mann in
unser Schlafzimmer trat, kullerten mir Freudentränen die Wange herunter.
„Wieso weinst du?“, fragte er besorgt. „Ach… nichts…“, erwiderte ich
lächelnd und wischte die Nässe aus meinem Gesicht. Mein Mann trat an mein
Bett und befühlte meine Stirn. „Sehr gut, du hast kein Fieber mehr“, sagte
er erleichtert und räumte Teeschalen zusammen.
„Waas?“ – „Na, du hattest heute Fieber, sehr hohes
Fieber! Deshalb konntest du nicht arbeiten.“ Er ging in die Küche, um die
Teeschalen abzuwaschen. Hatte ich alles nur geträumt? Aber dann bemerkte ich
den Feenstaub an der Decke und lachte glücklich in mich hinein.
Zeitreise
Ich sitze am
Fenster und halte mein Ohr an die kalte Scheibe. Draußen regnet es. Ich
horche, um ihn deutlicher zu hören.
Ich halte die Augen geschlossen, um die graue Welt nicht sehen zu müssen.
Ich lehne mich an
das offene Fenster, höre den Vögeln zu, wie sie ihre schönen Lieder
zwitschern und das Rascheln der Blätter der kräftigen Bäume.
Ich lasse die sanften Sonnenstrahlen auf meiner Haut wandern und atme die
klare, frische Luft ein. Unten ruft der Minnesänger, der täglich mit seiner
Laute ein Lied für mich anstimmt.
Mein Fenster ist
mein Fernseher. Die Welt draußen interessiert mich nicht, weil es dort keine
Natur mehr gibt. Im Fernseher sehe ich, wie sie früher aussah. Die Fenster
öffne ich nie, weil ich die Autoabgase nicht einatmen will. Ich lasse die
Schalosienen unten, weil ich die eintönige und graue Stadt nicht sehen will.
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Paula Balov
Annamaria
Balov
Doroteja Novosel
Christine Mösch
Holger Haak
Jürgen Nafti
Nouri Hassan Al-Kubaisi
Gastautoren:
Naomi Bendt,
Maroula Blades,
Gordon Gatherer,
Anthony Baggette,
Slovokult
Vinzenz Fengler & Jorina Collela
Jeanette Pichen & Maria Meyer
Stefan Thielke &
Anka Luna
Frank Pieperhoff
Nepomuk Ullmann
Axel Altenburg
Fred Schumacher
Vadim Fadin |